HOW DEATH COULD BE

Zu den diversen Dilemmata Duisburger Stadtentwicklungspolitik wurde in letzter Zeit so einiges veröffentlicht. Häufigster Anlass war der Teilabriss des Stadtteils Bruckhausen. Auch wir haben dazu immer wieder Stellung bezogen. Wer dieses Blog liest, weiß, wie wir diese Praxis und ihre Motive bewerten.

Einen Einblick in die historische Kontinuität dieser Abrisspolitik gewährt u.a. ein Artikel, den wir hier gerne dokumentieren, nicht zuletzt, weil er eine interessante Kombination aus Innen- und Außensicht, aus historischer Nähe und gegenwärtiger Distanz, darstellt. Die Autorin, Ingrid Krau, zuletzt Professorin an der TU München mit einem Lehrstuhl für Stadtraum und Stadtentwicklung und viele Jahre Direktorin des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), war in den 1970er Jahren Referentin für Stadtentwicklungsplanung in der Stadt Duisburg. Sie hat dort die Anfänge dessen erlebt, was seither als Entzerrung von so genannten Gemengelagen praktiziert wird, aber in Bruckhausen damals noch abgewendet werden konnte. In ihrem Artikel skizziert sie die räumlichen Konsequenzen des seinerzeit entstandenen Abstandserlasses NRW, dem große Teile der Stadt Duisburg zum Opfer hätte fallen müssen, wenn er konsequent angewendet worden wäre. Glücklicherweise wurde er es nicht. Deutlich wird aber auch die traditionelle Nähe zwischen Politik und Industrie und die Schwierigkeit, sich den manchmal kurzsichtigen und willkürlichen Einflussnahmen der großen Industrieunternehmen zu entziehen, wenn es um substanzielle Richtungsentscheidungen für die Entwicklung einer Stadt geht. Daran hat sich bis heute nichts Entscheidendes geändert und so muss auch die 35-Millionen-Euro-„Spende“ des ThyssenKrupp-Konzerns für den Grüngürtel in Bruckhausen, die dem städtischen Beschluss zur „Sanierung“ des Stadtteils vorausging, just in dieser historischen Kontinuität gesehen werden.

Während des TESTSITE STORIES-Filmfests in Marxloh und Bruckhausen war Ingrid Krau zu Gast. Sie und die Zeitschrift AMOS haben uns freundlicherweise ihren Artikel zur Verfügung gestellt. Et voilá …

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Das Themenfeld wird auch uns weiter beschäftigen, weil diese Formen des passiven, so genannten „städtebaulichen“ Immissionsschutzes – mit immer größeren Abständen und immer höheren Schutzwällen, hinter denen das jeweils Andere, die Stadt oder die Industrie, zunehmend unsichtbar wird – zu einem zentralen Element falsch verstandener, letztlich anti-städtischer Stadtreparatur geworden ist. Ob Bruckhausen seine Sanierung überhaupt überlebt ist längst nicht klar, aber nur wenige Kilometer weiter südlich, im Stadtteil Laar, wird schon jetzt die nächste große Abrisswelle vorbereitet.

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