C’est polypériphérique!

Polyperipheres Ruhrgebiet (Foto: Dirk E. Haas)

Polyperipheres Ruhrgebiet (Foto: Dirk E. Haas)

Mit einer Auftaktveranstaltung in der SANAA-School (oder wie immer das Gebäude gerade heißt) startete am vergangenen Mittwoch der vom Regionalverband Ruhr ausgelobte Ideenwettbewerb zur Zukunft des Ruhrgebiets. Ausgewählt und an diesem Tag vorgestellt wurden fünf Planungsgemeinschaften, die bis zum Oktober 2013 in mehreren öffentlichen Veranstaltungen Arbeitsergebnisse präsentieren und diskutieren werden. LEGENDA ist an einem dieser 5 Teams beteiligt. Wir werden in den nächsten Monaten versuchen, das Team und seine Arbeit, aber auch den dialogischen Planungswettbewerb als Ganzes, an unserem Wissen um das Ruhrgebiet (oder besser: die mitunter sehr verschiedenen Ruhrgebiete) bestmöglich teilhaben zu lassen. Schließlich formuliert der Wettbewerb einige Fragen, die auch uns immer wieder beschäftigen: etwa die Frage nach dem Mehrwert hoch fragmentierter Kulturlandschaften oder die Suche nach den Mustern einer ruhrgebietsspezifischen Urbanität. Andererseits erhoffen wir uns, dass die Arbeit mit den Teamkollegen und die öffentlichen Debatten auch unsere Art des Denkens über das Ruhrgebiet verfeinern wird.

Ein erster Eindruck, vom ersten Tag: Die Rede vom Ruhrgebiet als polyzentrischer Städtelandschaft ist allgegenwärtig und stellt einen „common ground“ des regionalen Selbstverständnisses dar. Allerdings bedeutet die Existenz vieler Zentren nicht, dass sich diese Zentren auch unterscheiden: Eine Vielzahl an Zentren macht noch keine Vielfalt unterschiedlicher Zentren. Und: Dort, wo es viele Zentren gibt, existieren auch viele Peripherien (anderenfalls wäre es sinnlos, von Zentren zu sprechen). Das Ruhrgebiet ist also gleichermaßen eine „polyperiphere“ Region. Wie man die Diversität dieser Peripherien erhöht und was sie zum Raumartenreichtum des Ruhrgebiets beitragen, wird eine wichtige Frage werden.

Wer sich länger und häufiger mit dieser Region beschäftigt hat, weiß, dass das Ruhrgebiet schon viele Versuche der „Raumordnung“ und noch viel mehr Zukunftsvisionen hat kommen und gehen sehen. Das liegt zu einem Teil daran, dass sich diese Gegend allzuoft den herkömmlichen Vorstellungen von Stadt oder gar Metropole entzieht. Diese fortwährende Sehnsucht nach „ganz neuen“ Zukunftsbildern wird solange fort bestehen, wie alte Bilder, Begrifflichkeiten und Konzepte aus der bisherigen Ideengeschichte von Stadt und Planung nicht mit der Wirklichkeit des Ruhrgebiets überein zu bringen sind.

Oder anders formuliert: Das Entwerfen von Zukunftsbildern für komplizierte Räume kann ein großes intellektuelles Vergnügen sein. Die erste Arbeitssession mit den Teamkollegen aus Dortmund, Rotterdam, Stuttgart, Berlin, München, Paris, Mailand, Havanna und Tokio hat dies einmal mehr bestätigt.

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