Feierabendgespräch: Havanna – Urbane Landwirtschaft als Systemwechsel in der Stadtentwicklung?

Photo: P. Kataikko

Urbane Agrikultur ist gegenwärtig in aller Munde: Kaum ein Event zur Zukunft der Stadt, kaum ein Festival zu „urban arts“, kaum eine Debatte zur Selbstermächtigung lokaler Stadtbevölkerung kommt ohne eine Beschäftigung mit den verschiedenen Formaten städtischer Nahrungsmittelproduktion aus. Das urbane Gärtnern in Großstädten, das überall mit sehr viel Aufmerksamkeit und Sympathie bedacht wird, spielt für die Nahrungsmittelversorgung einer Stadt gleichwohl eine marginale Rolle – es ist bei aller Wertschätzung eine Nische. Zumindest in den Arbeitersiedlungen des Ruhrgebiets war dies mal anders. Die ausgedehnten Haus- und Kleingärten deckten einen relevanten Anteil des Nahrungsmittelbedarfs der städtischen Arbeiterklasse ab; letztlich waren es aber auch hier in erster Linie Formen einer individuellen Subsistenzwirtschaft.

Auch wenn die urbanen Gärten im städtischen Geflecht europäischer und nordamerikanischer Großstädte bislang Nischen geblieben sind, verknüpft die Urban Gardening-Bewegung sie in der Regel mit dem Wunsch nach einer anderen urbanen Praxis, nach einem anderen Modell städtischer Raumnutzung und nach einer anderen, stärker an ökologischen Erfordernissen ausgerichteten Form der Nahrungsmittelproduktion. Dabei dient die urbane Landwirtschaft in der kubanischen Hauptstadt Havanna häufig als eines der positiven Referenzbeispiele. In Havanna hat sich seit den 1990er Jahren eine neue Form der Nahrungsmittelproduktion entwickelt, die nicht nur weitgehend als dezidiert ökologische Landwirtschaft gilt und staatliche, genossenschaftliche sowie private Betriebsmodelle umfasst, sondern mittlerweile den größten Teil des erforderlichen Nahrungsanbaus innerhalb der Stadt ermöglicht. Die „Erfindung“ dieser neuen urbanen Landwirtschaft geschah jedoch nicht ganz freiwillig.Sie ging einher mit einer tiefen ökonomischen Krise nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Jahrzehnte langen Embargo der USA, die zu relevanten Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung geführt hatte. Havannas urbane Landwirtschaft ist demnach eine aus der Krise entstandene Innovation städtischer Raumnutzung und –bewirtschaftung.

Photo: P. Kataikko

Über die Prinzipien und die Erfahrungen der urbanen Landwirtschaft in Havanna, über „Organopónicos“, und über die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung Havannas berichtet Prof. Dr. Arq. Jorge Peña Díaz im Rahmen seines Vortrags „Havana’s urban agriculture – a lab for urban sustainability and planning?“

Jorge Peña Díaz ist Architekturprofessor an der Technischen Universität in Havanna und forscht seit vielen Jahren zum Thema; im Rahmen einer von der TU Dortmund organisierten Summer School ist er zurzeit als Gastdozent im Ruhrgebiet zu Besuch. Wir haben ihn zu unserer Reihe von Feierabendgesprächen eingeladen, weil wir gerade im (krisenhaften) Ruhrgebiet die Gelegenheit geben möchten, mehr über das offensichtlich erfolgreiche Modell der urbanen Agrikultur in Havanna zu erfahren – und zwar aus erster Hand.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Nach dem Vortrag besteht Gelegenheit zur Diskussion.

Termin: Donnerstag, 27. September 2012, 18:00 (!) Uhr – ca. 20.00 Uhr
Ort: Situation Room, Weseler Straße 144, 47169 Duisburg (Marxloh)

Tram: 903 (Haltestelle Heckmann)

Die Veranstaltung ist kostenlos, Spenden für unsere Arbeit sind willkommen.
Anmeldungen zur Teilnahme am Feierabendgespräch an Dirk Haas: dirkhaas@legenda-gesellschaft.org

Bitte beachten: Die räumlichen Kapazitäten des Situation Room sind begrenzt; es sind bereits ca. 20 Teilnehmer/innen der studentischen Summer School angemeldet.

Photo: P. Kataikko

Advertisements

About this entry